Stell dir vor, du kommst nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause, freust dich auf die Entspannung und deinen wohlverdienten Feierabend. Du hängst deine Jacke an den Haken im Flur, ziehst die Schuhe aus, reckst dich  und begibst dich in dein Wohnzimmer – da trifft dich fast der Schlag!

Dein 15-jähriger Sohn hatte offensichtlich am Nachmittag Besuch von Freunden. Mehreren Freunden! Leere Pizzakartons liegen auf dem Fußboden, benutzte Gläser machen klebrige Ringe auf deinem frisch abgezogenen Holztisch, irgendjemandem ist die Fernbedienung auseinander gefallen und sie liegt in Einzelteilen auf dem Sofa. Natürlich ist dein Sohn gerade mit den Kumpels fürs Wochenende weggefahren.

„Das ist nicht sein Ernst! Das darf einfach nicht wahr sein!“. Dir kocht die Galle über, Du schäumst vor Wut. Du fluchst laut vor dich hin. Du bist wütend und ärgerst dich. …

Stunden später ärgerst du dich immer noch. Du kommst nicht zur Ruhe. Dein entspannter Abend ist zum Teufel und dein Magen tut weh vor lauter Unmut.

 

Kinder tun es ganz selbstverständlich – Gefühle schnell loslassen

Eigentlich ist dir ja längst selber klar, dass dir der Ärger nicht weiter hilft, nur – was tun? Du kannst dir schließlich nicht befehlen, dich nicht weiter zu ärgern. Im Gegenteil: Je mehr du gegen dein ungutes Gefühl angehst, desto stärker wird es.

Erwachsene Menschen haben oft Problem damit, Gefühle einfach loszulassen, während Kindern das noch scheinbar mühelos möglich ist. Du hast bestimmt schon einmal beobachtet, was geschieht, wenn ein kleines Kind fällt, sich offensichtlich wehtut, aber niemand Notiz von dem Geschehen nimmt. Es wird sich nach kurzem Schreck sofort anderen, wichtigeren Dingen zuwenden und die Geschichte innerhalb von Minuten wieder vergessen.

 

Das Loslassens von Gefühlen wieder ins Leben integrieren

Um die Fähigkeit des Loslassens wieder ins alltägliche Leben zu integrieren möchte ich dir eine sehr einfache Methode vorstellen. Sie ist auch unter dem Namen Sedona-Methode bekannt.

Dafür stellst du dir vier einfache Fragen:
–    Könntest du das Gefühl in diesem Moment akzeptieren?
–    Könntest du dieses Gefühl jetzt loslassen – nur für diesen Moment?
–    Würdest du das Gefühl loslassen?
–    Wann würdest du es loslassen?

Probiere es einfach einmal aus. Denk an eine Situation, die in dir ein ungutes Gefühl aufkommen lässt, z.B. Ärger. Versetze dich in diese Situation und fühl das, was du dann fühlen würdest. Dann frage dich:

–    Kann ich den Ärger (oder welches Gefühl auch immer) in diesem Moment akzeptieren?

Antworte spontan, ohne viel nachzudenken.

Für den Erfolg der Sedona-Methode ist es nicht wichtig, wie deine Antwort ausfällt. Vielleicht wird dir klar, dass du gerade nicht anders kannst, als dieses Gefühl zu akzeptieren, weil du es für den Moment ohnehin nicht loswirst. Oder du bemerkst, dass du keinesfalls bereit bist, dieses Gefühl zu akzeptieren.

Es gibt hier keine richtige oder falsche Antwort. Antworte einfach ehrlich so, wie es dir in den Sinn kommt.

Die nächste Frage lautet:
–    Könnte ich dieses Gefühl jetzt loslassen – nur für diesen Moment?

Auch hier gilt: es gibt keine richtige oder falsche Antwort. Antworte spontan und ohne langes Nachdenken. Du musst es nicht loslassen! Aber du kannst dich fragen, ob du das Gefühl theoretisch loslassen könntest. Oder ob du es lieber behalten möchtest.

Die nächste Frage lautet:
–    Würde ich dieses Gefühl loslassen?

Wieder geht es um eine ehrliche Antwort. Vielleicht denkst du: „Ich würde ja, wenn ich könnte!“ oder: „Es wäre ganz gut, es loszulassen!“. Es ist nicht wichtig, wie deine Antwort ausfällt.

Die letzte Frage lautet:
–    Wann würde ich es loslassen?

Du könntest antworten: „Jetzt“ oder auch „Niemals“ oder „vielleicht später“. Egal, wie die Antwort ausfällt, sei einfach ehrlich.

Nachdem du diese vier Fragen nun beantwortet hast, fühl einfach einmal in dich hinein. Hat sich bereits etwas verändert an deinem Gefühl?

Bei manchen Menschen reicht bereits ein Fragedurchgang aus, um eine deutliche Veränderung herbeizuführen. Aber häufig ist es sinnvoll, den Fragezyklus mehrmals zu durchlaufen.

 

Das Verändern der Perspektive hilft beim Loslassen von Gefühlen

Bei dieser Übung geht es in erster Linie darum, das Gefühl zuzulassen und es quasi bewusst von oben anzusehen.  Wenn du dich darauf einlässt, ein Gefühl wirklich zu fühlen, bemerkst du eventuell, dass es sich durch ein Ziehen in der Brust oder einen Druck auf dem Magen äußert. Dieser körperliche Ausdruck eines Gefühls ist viel einfacher zu fassen und zu akzeptieren, als ein diffuser „Ärger“ oder „Angst“.

Sämtliche Gefühle werden stärker, wenn du gegen sie ankämpfst. Die Frage, ob du dieses bewusste Gefühl für diesen Moment akzeptieren könntest, steigert die Wahrscheinlichkeit, dass das Gefühl einfach vorbeigeht.

Die Frage, ob du dieses Gefühl jetzt loslassen KÖNNTEST, lässt dich das Augenmerk verstärkt auf die Möglichkeit lenken. Du weißt ja, dass du theoretisch alles loslassen könntest.

Wenn du z.B. eine Tätigkeit ausführst, die deine ganze Aufmerksamkeit fordert, lässt du alles andere los und es ist nicht mehr präsent. Durch das indirekte und theoretische „Könntest Du…?“ wird das Loslassen sehr viel einfacher.

Durch die Frage, ob du das Gefühl loslassen würdest, kommst du schnell wieder in deine Mitte. „Würdest Du…?“ macht den Blick frei für die Möglichkeiten, die du bisher vielleicht noch nicht wahrgenommen hast.  Es hilft dir, zu sehen, was der Vorteil wäre, wenn du es tun würdest.

Und die letzte Frage nach dem „Wann“ erzeugst du eine Ahnung von dem Status, den du erlangen wirst, wenn du das Gefühl losgelassen hast. Diese Frage führt dich wieder in die Gegenwart, ins Jetzt.

Mit diesen vier einfachen Fragen gelingt es dir, einen klareren Blick auf deine Gefühle zu werfen. Diffus wahrgenommene Gefühle neigen dazu, sich im Denken als große und mächtige Wesenheiten einzunisten.

Durch das Anwenden dieser 4-Fragen Methode gelingt es dir schnell, ein Gefühl auf eine handliche Größe zurück zu schrumpfen und es sanft und ohne Druck aufzulösen.

 

Kennst du auch eine Methode zum Loslassen von negativen Gefühlen? Ich würde mich über deinen Kommentar sehr freuen. 🙂

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Hinterlass einen Kommentar

WordPress Blog

Gut genug!


Loslassen!

Erfolg!